World Interplay Festival of Young Playwrights
Im Sommer 2009 nahm Nora Mansmann als Tutorin und Dozentin am World Interplay Festival of Youngs Playwrights teil.

Beim World Interplay Festival of Young Playwrights 2009 in Cairns/Australien waren in
diesem Jahr über 50 Teilnehmer aus 13 Ländern vertreten. Darunter auch eine Delegation aus
Deutschland. Laura Naumann (Hildesheim, *1989), Timo Kocielnik (Hamburg, *1990) als
Young Playwrights und Nora Mansmann (Berlin, *1980) als Tutorin waren von Henning
Fangauf, Vorsitzender des Vereins Interplay Europe e.V., nominiert worden, an World
Interplay (WIP) teilzunehmen. Das Goethe-Institut unterstützt die Delegation durch
Übernahme der Reisekosten.
 
Nach der Ankunft am Flughafen am 12. August wurden wir direkt zum JUTE Theater
gebracht, in dem WIP teilweise stattfand, da das Festival bereits begonnen hatte. Wir kamen
also relativ unvermittelt und noch gejetlagt mitten in die Vorstellungsrunde der Teilnehmer
hinein. Trotzdem fühlten wir uns sofort wohl, da Kate Gaul und Katie Fagan, die beiden
Organisatorinnen des Festivals, uns sehr herzlich willkommen hießen und es verstanden,
sofort eine angenehme Atmosphäre zu vermitteln. Dieser positive erste Eindruck bestätigte
sich auch im weiteren Verlauf des Festivals: Obwohl der Umfang ihrer Aufgaben eigentlich
für zwei Personen zu groß war, brachten es Kate und Katie fertig, dass sich alle das ganze
Festival hindurch sehr wohlfühlten und dass alles immer gut organisiert und liebevoll
eingerichtet war.
 
Die Programmstruktur des Festivals verlief nach dem bewährten WIP-Muster: Die
Delegierten waren in sechs Base Groups aufgeteilt, die von jeweils zwei Tutoren betreut
wurden. Beide deutsche Delegierte fanden in ihren Base Groups sehr schnell Anschluss,
waren gut integriert und sehr beliebt. Im ersten Teil des Festivals wurden in den Base Groups
hauptsächlich die eingesandten Stücke der Delegierten besprochen, sowie für die an den
Abenden der ersten Tage stattfindenden Lesungen geprobt. In diesen Lesungen stellte jede
Base Group alle ihre Stücke in Auszügen von jeweils zehn Minuten vor. Hier bot sich die
Gelegenheit, einen kleinen Einblick in die Arbeit der anderen Festivalteilnehmer zu
bekommen; die Delegierten und Tutoren begannen, auch über ihre eigenen Base Groups
hinaus, Kontakte zu knüpfen.
 
Ein weitere wichtiger Bestandteil von WIP sind die Workshops der Tutoren. Da wir angeregt
worden waren, eventuell landesspezifische Themen zu behandeln, hatte ich mich entschieden,
einen Workshop zum Thema „Postdramatisches Schreiben“ anzubieten, in dem ich anhand
von Beispielen deutscher Autoren etwas über diese speziell im deutschsprachigen Raum sehr
wichtige Theaterrichtung vermitteln wollte. Dieses Thema stieß auf großes Interesse, sodass
ich gebeten wurde, den Workshop auf Grund der großen Nachfrage zweimal abzuhalten.
Allgemein scheinen die Workshops ein großer Erfolg gewesen zu sein; oft wurden Techniken
und Erkenntnisse durch Workshopteilnehmer wieder in die Base Groups getragen, sodass
auch auf diese Weise eine weitere Vernetzung und ein Austausch von Wissen stattfinden
konnten.
 
In der zweiten Hälfte des Festivals stand das kollektive Schreibprojekt „New Voices Now!“
im Mittelpunkt. Jede Base Group bekam eine Person aus Cairns mit einer interessanten
Biografie zugeteilt. Man traf sich zu einem Gespräch, und anschließend schrieb jede Base
Group gemeinsam ein zwanzigminütiges Stück, basierend auf dem gesammelten Material.
Hier ergab sich also in den Base Groups die Möglichkeit, nachdem man in den ersten Tagen
des Festivals die anderen Teilnehmer und ihre bisherige Arbeit kennengelernt hatte,
zusammen etwas Neues zu erarbeiten. Das funktionierte bei allen Base Groups auf sehr
unterschiedliche Weise, aber bei allen mit großem Erfolg. Die sechs Stücke wurden dann am
letzten Tag des Festivals vor einem großen und sehr interessierten Publikum szenisch gelesen.
 
Weitere lohnende Programmpunkte von WIP waren die Forumsgespräche, bei denen in
größerem Rahmen über allgemeinere Themen diskutiert wurde, die One on one-Meetings, bei
denen ein Delegierter mit einem zugeteilten oder auch selbstgewählten Tutor intensiv über
sein eingereichtes Stück sprechen konnte, der gemeinsame Tagesausflug nach Port Douglas,
die Performance „Hair“ der bulgarischen Tutoren Petar Todovar und Desislava Mincheva, die
auch ein morgendliches Körpertraining anbot, und natürlich das abendliche gemeinsame
Ausgehen und Feiern, bei dem manches Gespräch weitergeführt wurde.
 
Kurz vor dem Ende des Festivals gab es für alle Beteiligten getrennte Evaluationsrunden: für
die Delegierten, für die Tutoren und für die Ambassadors (= Praktikanten; darunter auch die
Deutsche Anna-Sophie Sattler). Dieses Gespräch war für mich sehr wertvoll, denn es gab uns
Zeit, in der kleinen Runde den Ablauf des Festivals Revue passieren zu lassen, Kritikpunkte
anzusprechen und auch bereits Lösungen zu diskutieren. Hier ergab sich somit bereits ein
Ausblick auf weitere World Interplay Festivals sowie auf das Interplay Europe Festival 2010
in Izmir in der Türkei.
 
September 2009