Entzug und Behauptung. Reaktionen auf den Souveränitätsverlust (2009)
Artikel über das Theater von Nora Mansmann und Volker Lösch
von Christoph Lepschy und Andrea Zimmermann

Werteverlust, Orientierungslosigkeit, zunehmende Ununterscheidbarkeit politischer Positionen – bereits seit geraumer Zeit verlaufen die Debatten über politische Teilhabe im Zeichen des Verlusts. Der Versuch, eine Position zu beziehen, wird stets durch das Wissen um ihre Vorläufigkeit unterlaufen: Wie die unbeschränkte Verfügbarkeit dieses Wissens organisieren? In jüngerer Zeit sind in diesem Zusammenhang die Fragen nach der Möglichkeit zum politischen Handeln unter Theaterschaffenden wieder virulent geworden. Das Unbehagen am Beklagen des Status Quo der eigenen Machtlosigkeit zeitigt neue Strategien, die auf den Souveränitätsverlust eine produktive Antwort suchen.
In unserem Artikel stellen wir auf der Grundlage von praktischen Erfahrungen mit diesen Verfahren anhand der Texte von Nora Mansmann und den Inszenierungen von Volker Lösch die jeweiligen Arbeitsweisen exemplarisch dar und versuchen Grundzüge eines Theaters zu formulieren, das im Horizont eines postideologischen Bewusstseins die Sehnsucht nach politischem Handeln konstatiert und/ oder sich wieder als politisch zu begreifen versucht.

in: Franziska Schößler/Christine Bähr (Hg.):
Ökonomie im Theater der Gegenwart.
Ästhetik, Produktion, Institution.
Bielefeld 2009.