zwei brüder drei augen

Theatertext

Immer häufiger wacht Frotzi, HermaphroditIn, morgens auf und muss feststellen, dass ihr Geschlecht weg ist. Wowa, ihr verblödeter Bruder, hat aufgrund seines dritten Auges beängstigende apokalyptische Visionen, die ihn daran hindern, die Wohnung zu verlassen. Beide wohnen bei Oma, die im Teilzeitkoma liegt. Als sich Frotzi in Nobbi verliebt, einen „freundlichen, älteren Werwolf“, ist Wowa jedoch gar nicht begeistert, zumal auch Nobbi mit seiner alten Freundin Gelantine bei Oma einziehen will. Zum Glück haben alle eine Therapeutin: Dr. Foxy. Doch die nutzt die Sitzungen lediglich zum Sammeln wichtiger Informationen, um schließlich mit Hilfe des Großen Tumors die Weltherrschaft zu übernehmen. So steuert alles auf eine Apokalypse zu: Die Welt mutiert und mit ihr alle Lebewesen. Omas Wohnung ist der letzte Ort, an der sich die Behauptung einer bürgerlichen Ordnung noch aufrecht erhalten lässt. Mit viel Humor erzählt zwei brüder drei augen von der Sehnsucht nach Bedeutung des eigenen Lebens.

 
Andreas Wilink, nachtkritik, 20.06.2008:

Das dritte abendfüllende Stück der 1980 geborenen Autorin ist eine formal und inhaltlich rebellisch-anarchische Sache. Mutatis mutandis eine krude Katastrophen-Revue, Krisen-Komödie und saure Soap im salopp schnöden, sprachgewitzten Umgangston, der Oliver Pocher gefallen müsste und dabei Harald Schmidt doch nicht unterfordern würde. (…) Das Personenregister hat es in sich. Es lohnt, namentlich vorgestellt zu werden, angesichts so origineller Bezeichnungen wie Frotzi und Foxy, Gelantine und Pizza. Unter den acht Handelnden befinden sich, um nur diejenigen mit den eigenwilligsten Eigenschaften zu nennen, eine Hermaphroditin, ihr dreiäugiger blödsinniger Bruder, ein als Nachtwächter in einer Klinik angestellter Werwolf sowie dessen sprechender und sich zum Über-Ich aufspielender Tumor.
 

zwei brüder drei augen entstand im Rahmen des 1. Autorenlabors des Düsseldorfer Schauspielhauses und wurde als Siegerstück dort uraufgeführt.

Düsseldorfer Schauspielhaus, Juni 2008.